ZURüCK  ZUM  KLO

3te Internationale DADA Festwochen
in Toilettenhäusern
der Städte Zürich, Moskau und New York

vom 5. bis zum 14. Februar  2004

1.     Einleitung

Nach dem durchschlagenden Erfolg der ersten und zweiten DADA Festwochen in den Jahren 2002 (Cabaret Voltaire) und 2003(Sihlpapier), lässt es sich die Fondation Kroesus nicht nehmen, diesen für die KünstlerInnenszene wichtigen unkommerziellen Anlass auch im Jahre 2004 wieder zu ermöglichen.
Neben Zürich werden erstmals auch Moskau und New York als Schauplatz für künstlerische Aktivitäten mit einbezogen.

2.     Zurück zum Klo

Die 3. interlokalen DADA Festwochen sollen auch in diesem Jahr an Oertlichkeiten stattfinden, für welche normalerweise keine oder eine andere Nutzung vorgesehen ist.
Bei der Suche nach bespielbaren Freiräumen ohne ökonomische und ideologische Fesseln boten sich die öffentlichen Toiletten in den Städten Zürich und New York an – Orte, welche über die ganze Stadt verteilt liegen, sich oft in eigenwilligen Kleinbauten befinden und häufig gar nicht wahrgenommen werden.
Die einzelnen WC-Häuschen werden von KulturaktivistInnen mittels Installationen, Lesungen, Performances etc. der Oeffentlichkeit auf neue Art und Weise zugänglich gemacht. Es werden Führungen und Rundgänge angeboten, welche jeden Tag neue Interaktionen und Ausgangsorte präsentieren (siehe Programmübersicht). Ausserdem sollen die WCs in New York , Moskau und Zürich per Live-Streaming miteinander vernetzt werden.

3.    Termine

Am Sonntag, den 1.Februar beginnen die KünstlerInnen mit dem Aufbau ihrer Installationen in den verschiedenen WC-Häuschen.
Die Vernissage aller sechs Häuschen geht in Form einer “Eröffnungs-Rallye” am Donnerstagabend, den 5. Februar über die Bühne. Beendet wird der Abend mit einem Jazzkonzert im Bogen13, wenige Schritte vom Kulturklo Josefwiese entfernt.
Am Abschlusswochenende des 13./14. Februar findet in allen drei Städten eine Finis-sage im Kleide einer experimentellen Revue statt. In Zürich wird hierfür am Freitag  dem 13. 2.der “Bunker” des Schauspielhauses offenstehen; am Samstag öffnet das KünstlerInnenhaus Platte seine Pforten und lädt zur grossen Abschluss-Galanacht.

4.     Uebersicht Haupt- Spielorte

Die unten beschriebenen WC-Häuschen konnten von Züri-WC für die Dauer der Festwochen gemietet werden.
Neben den Oeffnungszeiten zu den Veranstaltungen, die  dem separaten Programm zu entnehmen sind, gibt es für für einige Häuschen feste Oeffnungszeiten, in denen Ausstellungen und Installationen besichtigt werden können.
(Kulturklo Uto-Quai tägl.13 – 18 Uhr , Kulturklo Central tägl. 15 – 23 Uhr)

Im folgenden die sechs Anlagen (bis auf 1 alle öffentlich zugänglich) im Detail:

A.    Kulturklo Blatterwiese    (Nähe Zürichhorn/LeCorbusier-Haus)
1959 gab es hier tatsächlich einen hohen Masten mit Restaurant und Seilbahn-station, von wo aus der See gondelnd überquert werden konnte. Die WC-Anlagen waren nie in Betrieb; genutzt werden die ca. 100 m2 “Katakomben” von Grünstadt Zürich. Angesichts der Grösse bietet dieser Ort die Möglichkeit, grössere Installa-tionen und Events wie Eröffnungs-Apéro, Video-Festival u.ä. zu platzieren.
Beteiligte Gruppen und KünstlerInnen (Auswahl): Michael Schmacke(Berlin) Zachheo Zillioli (ZH);; electric_cafe (ZH) Alaska (syntosil/ZH)

B.    Kulturklo Utoquai        (Seepromenade, bei “Pumpstation”)
Die pittoreske Kleinbaute im Belle Epoque-Stil ist durch die hervorragende Lage an der Promenade prädestiniert zum Informationszentrum des Festivals. Das Redaktionsbüro des Festwochenmagazins, der Frisursalon Schnittmuster,eine klohistorische Ausstellung, ein Mini-Museum mit einzelnen Exponaten der beteiligten KünstlerInnen sowie diverse Aktionen und Performances werden hier einen idealen Platz finden. Beteiligte Gruppen und KünstlerInnen (Auswahl): ACSA (ZH); Manu Beffa (ZH);Rico Diesner (D); Simon Bolivar(ZH)

C.     Kulturklo Central         (Mauer am Seilergraben)
Eine der zentralsten Toiletten-Anlagen ist seit mehreren Jahren geschlossen und soll nun durch Installationen, Lesungen und kleinere musikalische Darbietungen neues Leben eingehaucht bekommen. Hier wird auch der Abschluss-Apéro statt-finden.
Beteiligte Gruppen und KünstlerInnen (Auswahl): Biopop (ZH); Mickry Drei (ZH);
Boris v.d. Burg (D); Jan Theiler (D/ZH); Panause und Hügepunk (syntosil/ZH)

D.    Kulturklo Seilergraben    (Pissior, nahe Theater Stok)
Viele PassantInnen werden durch die mechanisch-audio-visuelle Installation wohl
erstmals von dieser Anlage Kenntnis nehmen. Der Raum selbst bleibt geschlossen. Installation von Allan Mc Goldrick.(GB/ZH)

E.    Kulturklo Platzspitz    (die Idylle  an der Limmat)
Wunderschön im Park gelegen wird dieses Gebäude vorderhand auditive Genüsse und Ueberraschungen hervorbringen. An beiden Samstagnachmittagen werden im nahegelegenen Rondell Sound-Performances stattfinden; im Musik-Laboratorium können interesssierte BesucherInnen musikalische Ideen umsetzen.
Beteiligte Gruppen und KünstlerInnen (Auswahl): Contemporary Art Party
(Nick Emch, Laurent Goei, Vincent Teuscher, Dennis Stoffner/ZH)

F.    Kulturklo  Josefwiese    (der Aussenposten)
Etwas abgelegen liegt dieses Häuschen, dafür in nächster Nähe zur neuen “Aus-geh-Meile” in Zürich West. Die an diesem Projekt beteiligten Frauen werden durch Installationen und Events immer wieder zu überraschen wissen.
Beteiligte Gruppen und Künstlerinnen (Auswahl): ACSA (ZH); Tanja Roscic (ZH)

5.     Weitere Spielorte  (Auswahl)

A.     The Closets of New York City
Unser Mann in New York, Mark Divo, momentaner Inhaber des DADA-Atelier-Stipendiums, wird mit diversen Aktionen in den WCs des Central Parks präsent sein. Ueber das Internet werden diese Events nach Zürich geholt und an verschiedenen Orten für die geneigte Oeffentlichkeit sichtbar.

B.        The  Closets of Moscow
Dimitrij Bulnygin und Slava Mizin, zwei bildende Künstler aus Novosibirsk werden sich mit ihren Aktivitäten aus Moskaus Toilettenhäusern in Live-streaming-conferences dazuschalten.

C.    Künstlerhotel  Platte
Ateliers und Wohnraum für etwa 20 KünstlerInnen bietet das grosse Haus an der Plattenstrasse seit gut eineinhalb Jahren. Wie auch im letzten Jahr werden hier ausländische AkteurInnen untergebracht, verpflegt und betreut. Aufgrund der Erkenntnis, dass die 3.DADA Festwochen von diesem Orte ausgehen, wurde beschlossen, die grosse Abschluss-Gala hierhin “zurückzuholen”.

D.       Sue-Ellen-Bar
Die etwas versteckt linkerhand des Dynamos gelegene Galerie ist seit längerem schon die Winterresidenz der Sue-Ellen-Bar, die für kleine aber feine Anlässe berühmt (dienstags und mittwochs) und durch seine unmittelbare Nähe zum Platzspitz-Kulturklo die ideale Ausweichmöglichkeit bei Parkschliessung um 21 Uhr ist.

————————————————————————————————————

Zürich, 31.1.2004                                                    Jan Theiler, Plattenstr.32, Zürich

Sehr geehrte Damen und Herren !

Hiermit möchte ich Ihren negativen Entscheid betreffend
den 3. interlokalen DADA-Festwochen 2004 anfechten.

Ihre Begründung , es handele sich um ein Projekt ohne gesamtschweizerisches Interesse,
kann ich angesichts des grossen Medieninteresses im In-und Ausland, dass uns auch dieses Jahr wieder begleitet, nicht nachvollziehen.
Wie Sie sicherlich wohl auch wissen, steht dieses Jahr die Wiedereröffnung des Cabaret Voltaire bevor, welche ohne die Initiative der Organisatoren der DADA-Festwochen wohl niemals möglich geworden wäre.
Dieses Ereignis wird nicht nur in der gesamten Schweiz, sondern in der ganzen Welt mitverfolgt werden.
Aus diesem Grunde ist es gerade in diesem Jahr wichtig zu zeigen, dass die kreativen, subkulturellen Kräfte, die die Initialzündung für die Einrichtung eines DADA-Hauses bewirkten, immernoch aktiv sind.

Den zweiten genannten Grund Ihrer Absage, es sei kein Pilotprojektcharakter zu attestieren, halte ich ebenfalls für sehr fragwürdig.
Im Gegensatz zu den 1. und 2. DADA-Festwochen finden die 3.DADA-Festwochen nicht an einem zentralem Ort statt, sondern verteilen sich über die ganze Stadt und sind durch die Bespielung von Toilettenhäusern einem viel breiterem, vielschichtigerem Publikum zugänglich.
Indem über 5o Künstler gleichzeitig an verschiedenen Orten aus der Geborgenheit von Gallerien und Kulturzentren heraustreten, wird ein völlig neues Eingreifen der Kunst in das öffentliche Leben möglich.
Meines Wissens sind die 3.interlokalen DADA-Festwochen das erste Toilettenhausfestival der Welt.

Ich möchte Sie weiterhin daraufhinweisen, dass wir durch Ihre plötzliche Absage nach Vorgesprächen, in denen Sie uns grosse Hoffnung auf Unterstützung machten, in finanzielle Notlage geraten sind, da viele Reisetickets der beteiligten ausländischen Künstler in der Zwischenzeit bereits gekauft worden sind.

In der Hoffnung, dass Sie Ihre Ihre Entscheidung nochmals überdenken verbleibe ich mit freundlichen Grüssen

Ihr

Jan Theiler

.